| Kolumne 07
Mit MINT Zukunft schaffen!
Dr. Dieter Hundt
Präsident Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
MNU Zeitschrift 6/2008
„Mathematik ist das Alphabet, mit dessen
Hilfe Gott das Universum beschrieben hat.“ So
hat es Galileo Galilei einmal ausgedrückt, und
ich finde, treffender lässt sich die Bedeutung
der Mathematik kaum zum Ausdruck bringen. Mathematik,
aber auch Informatik, Naturwissenschaften und Technik
– diese heute unter dem Begriff MINT zusammengefassten
Fächer stehen für Spannung, Forschergeist
und Faszination. Ich weiß, wovon ich rede, ich
selbst habe Maschinenbau studiert und dieses mit viel
Freude.
Die Bedeutung der Mathematik können wir nicht hoch
genug einschätzen. Ohne sie hätten wir heute
zum Beispiel keine Computer und keine Handys, wir wären
nicht zum Mond geflogen und würden auch kein Auto
fahren. Die Mathematik ist ein unverzichtbares Hilfsmittel
für Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft,
aber sie spielt auch in den Geisteswissenschaften wie
zum Beispiel der Psychologie, Soziologie, Pädagogik
oder in der Medizin eine immanent wichtige Rolle.
Als Sprache und zentrale Grundlage aller angewandten
naturwissenschaftlichen und technischen Forschung steuert
die Mathematik auch die wirtschaftliche Entwicklung.
Der Bedarf an gut ausgebildeten Mathematikern steigt
ständig. Beschäftigungsfelder bestehen zum
Beispiel bei Versicherungen und Banken, in Software-Unternehmen
und in EDV-Abteilungen großer Konzerne oder auch
in Chemie- und Pharmafirmen, aber natürlich insbesondere
in der Schule – gute Mathematiklehrer dürfen
nicht zur Mangelware werden.
Trotz der steigenden Bedeutung der Mathematik und den
damit verbundenen exzellenten Berufschancen für
Mathematiker wählen Abiturienten immer seltener
ein mathematisches Studium. Ähnliches gilt für
die anderen naturwissenschaftlichen Fächer. Unsere
Unternehmen brauchen aber in zunehmendem Maße
gut ausgebildete Mitarbeiter mit MINT-Hintergrund. Das
betrifft vor allem die großen innovativen Branchen
wie etwa die Nano- und Biotechnologie sowie die Informations-
und Kommunikationstechnologien, aber auch die anwendungsorientierten
Bereiche wie Automobil- und Maschinenbau, Elektroindustrie
oder Umwelt- und Energietechnik sind auf hoch qualifizierte
Fachkräfte angewiesen. Mathematiker, Ingenieure,
Naturwissenschaftler und Techniker tragen entscheidend
zum Wohlstand in Deutschland bei. Sie entwickeln neue
Produkte und schaffen damit hunderttausende Arbeitsplätze.
Mir bereitet es große Sorge, dass „dieses
Rückgrat“ unserer Wirtschaft immer schwächer
wird.
Das Gebot der Stunde lautet daher, dem negativen MINT-Trend
massiv gegenzusteuern. Wir Arbeitgeber haben in den
letzten Jahren bereits eine ganze Menge gegen den drohenden
Fachkräftemangel unternommen. Unser jüngstes
Engagement ist das Projekt "MINT Zukunft schaffen".
Es soll in den nächsten sechs Jahren Lernenden
und Lehrenden in Schulen und Hochschulen sowie Eltern
und Unternehmern die vielfältigen Entwicklungsperspektiven,
Zukunftsgestaltungen und Praxisbezüge der MINT-Bildung
nahebringen und eine Multiplikationsplattform für
die zahlreichen, erfolgreich arbeitenden MINT-Projekte
der Verbände und Unternehmen in Deutschland sein.
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat für diese
gemeinsame Initiative von BDA und BDI die Schirmherrschaft
übernommen. Mit "MINT Zukunft schaffen"
wollen wir für die hohe Bedeutung der MINT-Ausbildung
sensibilisieren und die Öffentlichkeit über
die Dringlichkeit des MINT-Engagements informieren.
Vor allem aber geht es darum, die Begeisterung für
diese Fächer zu wecken und über attraktive
Berufsmöglichkeiten in den MINT-Berufen zu informieren.
Selbstverständlich ist es auch unser Ziel, die
Politik mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Unterricht
und Lehre in den MINT-Fächern müssen an Schule
und Hochschule quantitativ und qualitativ deutlich verbessert
werden. Insbesondere in der Mathematik sind angesichts
des schwachen Abschneidens deutscher Schüler bei
internationalen Vergleichen didaktische Innovationen
notwendig. Ich bin sicher: Motivation und Verständnis
der Schüler für Mathematik nehmen zu, wenn
der Lernstoff mehr Bezug zum Alltag hat.
Mir bereitet auch die Tatsache Sorge, dass die Studienabbrecherquote
im Fach Mathematik so hoch und in den letzten Jahren
sogar weiter angestiegen ist. Während 1999 12 Prozent
der Studierenden im Diplomfach Mathematik abbrachen,
waren es 2006 schon 31 Prozent. Die durchschnittliche
Abbrecherquote an den Universitäten liegt zur Zeit
bei 21 Prozent. In Studiengängen wie Maschinenbau,
Elektrotechnik oder Informatik sind die Mathematik-Vorlesungen
offenbar häufig ein Instrument des Aussiebens und
des Herausprüfens. Ich bin aber der Ansicht, dass
Durchfallquoten von 80 Prozent in den Mathematikprüfungen
kein Qualitätsbeweis, sondern eher ein Armutszeugnis
akademischer Wissensvermittlung sind. Hier zeigt sich,
dass ebenso wie im Bereich Schule auch in der Hochschule
eine Verbesserung der hochschuldidaktischen Konzepte
für die Vermittlung von Mathematik notwendig ist.
Dr. Dieter Hundt
Präsident
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
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